Passagen Band 40

Das Auge der Sprache

Ornament und Lineatur bei Marcel Proust

Boris Roman Gibhardt

Sprache der Publikation: Deutsch

Marcel Prousts Roman »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit birgt« nicht allein eine ganze Kunstgeschichte, sondern ist selbst ein Kunstwerk der Wahrnehmung. Die Vermittlung von Sehen und Schreiben leisten hier bildliche Formen, allen voran Ornament und Lineatur. Statt nur Schmuck einer visuellen Rhetorik zu sein, sind sie selbst Ursprung eines eigenen Imaginären. Nach kunsthistorisch bestimmbaren Vorbildern geprägt, verweisen sie in ihrer sprachlichen Struktur auf den Roman zurück. Die Sprache an sich wird so zum Organ einer zunehmend sensiblen Wahrnehmung. Das Erinnern ist nur eines ihrer Instrumente. Denn kein Bild hält die Zeit so effektvoll an wie das Ornament, als filigraner Garant des Präzisen in der Vervielfachung der Zeichen und in der Verwandlung der Worte. 

Kunst in ihrem eigenen Recht, physiognomisches Rätselbild der Lebenswelt um 1900 und Symbol eines unendlichen Schreibens – in diesem ornamentalen Blick, im Auge der Sprache, gelingt es Prousts Roman, in der Ordnung des Schönen und mit der List des Dekorativen die unabschließbare Wahrnehmung zu bannen.

 

Rezensionen:

  • Julie Ramos, in: Perspective 1, 2013, S. 153–160, URL: http://perspective.revues.org/2641.
  • Anonym, in: Bulletin d’Informations Proustiennes 43, 2013, S. 161-164.
  • Heike Wetzig, in: Journal für Kunstgeschichte 15/2, 2011, S. 148–150.
Berlin/München
2010
ISBN 978-3-422-07065-3
38,00 €
Coverabbildung »Das Auge der Sprache«

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