Studienkurse

Studienkurse

Das DFK Paris bietet jedes Jahr ein bis zwei Studienkurse an, die sich intensiv mit der Kunst in Frankreich und Deutschland auseinandersetzen. Die Kurse gehen meistens einer topographisch, historisch, gattungsspezifisch, funktional oder ikonologisch differenzierten Frage nach. Sie schulen den wissenschaftlichen Nachwuchs vor Originalen und fördern gleichzeitig die Begegnung mit den Wissenschaftler/-innen im jeweiligen Gastland. Konzipiert sind die Kurse für Studierende höherer Semester, Magistrand/-innen und Master­student/-innen, Doktorand/-innen und, in begründeten Fällen, auch Post-Docs.

Aktuelle Kurse

 

 

Synästhetische Sakralräume? Ornamentkulturen der Gotik und ihre Rezeptionen im 19. Jahrhundert

 

24. bis 28. Juni 2019

Organisiert vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte (DFK Paris), der Université Rennes 2 und der Freien Universität Berlin 

 

26. Juni, 18h30: Öffentlicher Abendvortrag am DFK Paris
"Modernités de l'église médiévale", Dominique Iogna-Prat (EHESS Paris)

 

Bewerbungsfrist:
17. März 2019
 
Kirchenbauten prägten in der Gotik mit ihrer alles überragenden Architektur maßgeblich den Charakter mittelalterlicher Städte und stellten einen zentralen Bezugspunkt urbaner Identität dar. Abgesehen von seiner Außenwirkung ist der gotische Sakralbau ferner auch als ein vielschichtiger und spannungsreicher Mikrokosmos zu verstehen, in dem Liturgie, Architektur, Objekte und Bilder in einer komplexen Beziehung neben- und zueinander stehen. In diesem Kontext ist das Ornament nicht als Beiwerk, sondern im mittelalterlichen Sinne des zentralen Begriffs „ornamentum“ zu verstehen, das sich im Sakralraum vom Kelch über die Glasfenster bis zur Glocke erstreckte.
Jene Ornamentkulturen des mittelalterlichen Kirchenraumes erfahren  innerhalb der Hochkonjunktur der Gotikrezeption im 19. Jahrhundert eine vielfältige Transformation. Paradigmatisch hierfür steht Victor Hugos Roman Notre-Dame de Paris (1831), der die Kathedrale nicht nur als steinernes Kompendium von Traditionsüberlieferung vermittelt, sondern deren sinnlich erfahrbare synästhetische Qualität, deren Orgel- und Glockenklänge herausstellt. Einen Widerhall findet dieser Topos des Zusammenwirkens verschiedener Sinneswahrnehmungen in der sich im 19. Jahrhundert formierenden wissenschaftlichen Disziplin der Kunstgeschichte. So fällt beispielsweise Émile Mâles grundlegende Darstellung der Kathedrale als umfassende Enzyklopädie aus dem Jahr 1898 mit der Begeisterung für das Phänomen der Synästhesie am Ende des 19. Jahrhunderts zusammen. Auch die Kunstgewerbe-Bewegung orientierte sich mitunter deutlich an mittelalterlichen Erzeugnissen und erschuf vielgestaltige Mikroarchitekturen.
 
Der internationale fünftägige Studienkurs nimmt mit dem hochmittelalterlichen Sakralraum, den Ornamentkulturen der Gotik sowie ihren differierenden Rezeptionen und Transformationen im langen 19. Jahrhundert ein komplexes Themenfeld der französischen Kunst- und Kulturgeschichte in den Blick. Über die Auseinandersetzung mit der Architektur, Bildern und Objekten hinaus werden wichtige Impulse in der Literatur und den Geisteswissenschaften verhandelt.
Fünfzehn Nachwuchswissenschaftler/-innen, Doktorand/-innen- und fortgeschrittene Masterstudierende aus Deutschland, Frankreich und dem internationalen Ausland erhalten die Gelegenheit, im Rahmen von Workshops, Besichtigungen vor Ort sowie öffentlichen Vorträgen die vielgestaltigen Ausprägungen von Ornamentkulturen im Mittelalter und innerhalb der französischen Mittelalterrezeption des 19. Jahrhunderts in den Blick zu nehmen. Gemeinsam mit Wissenschaftler/-innen des DFK Paris und auswärtigen Expert/-innen (darunter u.a. Konservator/-innen, Historiker/-innen und Kunsthistoriker/-innen) sollen ausgewählte Objekte betrachtet und kontextualisiert werden, wobei die betreffenden Untersuchungsgegenstände von Architekturen über Skulpturen bis hin zu beweglichen Objekten und anderen Ornamenten reichen. Es sind unter anderem Sammlungsbesuche im Musée du Louvre und im Musée des Arts Décoratifs sowie Besichtigungen von Notre-Dame de Paris, dem Cimetière du Père-Lachaise und der Gare Saint-Lazare geplant.
 
Voraussetzung für die Teilnahme am Studienkurs sind aktive Deutsch- und Französischkenntnisse (punktuell kann auch auf die englische Sprache zurückgegriffen werden) sowie die Präsentation eines 15-minütigen Impulsreferats mit anschließender Diskussion vor Ort. Die Referatsthemen werden den Teilnehmer/-innen zugeteilt, darüber hinaus sind Vorschläge willkommen.
 
Studierende und Doktorand/-innen, die weder ein Stipendium in Paris erhalten noch Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis von mehr als 50 % beziehen, können dank der großzügigen Förderung durch die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) einen Reisekostenzuschuss in Höhe von bis zu 100 € sowie einen weiteren Zuschuss zu den Übernachtungskosten in Höhe von bis zu 300 € beantragen. Der Antrag auf Zuschuss muss mit der Bewerbung gestellt werden.
Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen (ein Motivationsschreiben von nicht mehr als 2 Seiten, ein Empfehlungsschreiben einer Dozentin oder eines Dozenten sowie einen tabellarischen Lebenslauf mit Nachweis der bisherigen Studienleistungen) richten Sie bitte bis zum 17. März 2019 mit dem Stichwort » Internationaler Studienkurs 2019/Atelier de recherche international 2019 « an: ateliersderecherche@dfk-paris.org
Ein Anspruch auf Zulassung besteht nicht.
 
Für weiterführende Informationen steht Ihnen Marthje Sagewitz (msagewitz@dfk-paris.org) gerne zur Verfügung.

Vergangene Studienkurse