Das Privatmuseum im 21. Jahrhundert. Frankreich und Deutschland im Vergleich

Deutsch-Französischer Studienkurs 2022-2023

Das Privatmuseum im 21. Jahrhundert. Frankreich und Deutschland im Vergleich 
5. – 7. September 2022 und 6. – 8. März 2023 

Organisiert vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte (DFK Paris) in Kooperation mit dem Masterstudiengang »Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik« der  Goethe-Universität Frankfurt und gefördert durch die Deutsch-französische Hochschule – Université franco-allemande, Saarbrücken.

Im Frühjahr 2021 eröffnete in der Bourse de Commerce in Paris eine neue Ausstellungsinstitution, für die der Unternehmer und Kunstsammler François Pinault das historische Gebäude der ehemaligen Handelsbörse von Tadao Ando aufwendig umbauen ließ. 2014 hatte bereits Bernard Arnault die Fondation Louis Vuitton mit einer spektakulären Architektur von Frank Gehry eröffnet, und 2024 dürfte das von Jean Nouvel konzipierte neue Domizil der Fondation Cartier pour l’Art contemporain fertig gestellt sein. 
Solche privaten Museumsprojekte sorgen international für Aufsehen und geben Anlass, sich mit der Vermarktung auseinanderzusetzen. 
Den großen Pariser Privatmuseen stehen in Deutschland auf die gesamte Republik verteilt zahlreiche Beispiele gegenüber, deren Mehrzahl auf private Gründungen nach 1945 zurückzuführen ist. Paradigmatisch hierfür sind die Ausstellungshäuser des Unternehmerpaares Peter und Irene Ludwig ebenso wie jene der Entrepreneurs Frieder Burda, Reinhold Würth und Hasso Plattner zu nennen.
Private Kunstsammlungen präsentieren sich als einflussreiche Pendants zu den großen öffentlichen Kunstmuseen und treten als machtvolle Player auf dem internationalen Kunstmarkt auf. Es stellt sich die Frage, inwieweit die Praxis der privaten Museen von jener der öffentlichen Häuser abweicht, welchen Einfluss ein privates Museum auf das Kunstsystem und die Institution ‚Museum‘ ausübt und wie es die Museumslandschaft insgesamt verändert. Anders als öffentliche Museen können private Einrichtungen eine freiere Politik des Sammelns, Kuratierens und Auftretens gemäß ihrer individuellen Vorlieben verfolgen. Lenken private Sammlungen dabei den Blick auf eigenwillige Erzählungen und ungewohnte Displays oder sind sie vielmehr Klone ihrer öffentlichen Pendants, die mitunter über konkurrenzlose Möglichkeiten verfügen?

Betrachtet man historisch gewachsene landesspezifische Traditionen des Sammelns in einer komparatistischen Perspektive, kann das Privatmuseum als Barometer einer Sammlungskultur und Rezeptions-praxis angesehen werden. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede herrschen in der Sammlungsgeschichte und Gegenwart in Frankreich und Deutschland vor? Wo liegen die Schnittmengen, Unterschiede und aktuelle Ansätze in der privaten Museumslandschaft Deutschlands und Frankreichs? 
Im Verlauf eines zweiteiligen, insgesamt sechstägigen Programms (drei Tage in Frankreich /Paris, drei Tage in Süddeutschland) soll die Institution ‚Privatmuseum‘ als kulturformierende Instanz im deutsch-französischen Vergleich und im internationalen Kontext theoretisch reflektiert werden.
 
Zwölf Nachwuchswissenschaftler/-innen, Doktorand/-innen- und fortgeschrittene Masterstudierende der Kunstgeschichte und deren verwandten Disziplinen aus Deutschland, Frankreich und dem internationalen Ausland erhalten die Gelegenheit, im Rahmen von Workshops, Besichtigungen vor Ort sowie öffentlichen Vorträgen die vielgestaltigen Ausprägungen des Privatmuseums und die es begleitenden Diskurse in Frankreich und Deutschland in den Blick zu nehmen. Gemeinsam mit Kurator/-innen, auswärtigen Expert/-innen, Kunsthistoriker/-innen und Kunstkritiker/-innen sowie Vertreter/-innen des Kunstmarktes werden im Rahmen von Workshops, Vorträgen und Ausstellungsbesuchen Fragen der Präsentationsweise, der Kanonbildung sowie der Sammlungs- und Ausstellungspolitik von Privatmuseen diskutiert. Es sind Ausstellungsbesuche und Ortsgespräche in der Fondation Cartier pour l’art contemporain, der Kadist Foundation Paris, der Bourse de Commerce – Pinault Collection, dem Musée d'art moderne de la ville de Paris, dem Museum Würth, dem Museum Brandhorst und der Sammlung Goetz geplant. 


Voraussetzung für die Teilnahme am Studienkurs sind aktive Deutsch- und Französischkenntnisse (punktuell kann auch auf die englische Sprache zurückgegriffen werden) sowie die Präsentation eines 15-minütigen Impulsreferats mit anschließender Diskussion vor Ort. Die Referatsthemen werden den Teilnehmer/-innen zugeteilt, darüber hinaus sind Vorschläge willkommen.
Studierende und Doktorand/-innen, die weder ein Stipendium in Paris erhalten noch Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis von mehr als 50 % beziehen, können einen Reisekostenzuschuss in Höhe von bis zu 200 € sowie einen weiteren Zuschuss zu den Übernachtungskosten in Höhe von bis zu 400 € erstattet bekommen. Der Antrag auf Zuschuss muss mit der Bewerbung eingereicht werden. 

 

Leitung:

Dr. Stefanie Heraeus (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Dr. Julia Drost (DFK Paris)

Vera Bornkessel (DFK Paris)

 

Teilnehmer/-innen:

Joy Cador, Masterstudentin, École normale supérieure (Paris); Monja Droßmann, Masterstudentin, Universität zu Köln; Manon Fougère, Masterstudentin, Université Paris Nanterre; Teresa Hantke, Doktorandin, Humboldt-Universität zu Berlin; Judith Höchstötter, Masterstudentin, École du Louvre / Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Nefertari Juárez-Aguilar, Masterstudentin, Université Paris 1, Panthéon Sorbonne; Carola Korhummel, Doktorandin, Universität Wien; Philipp Lange, Masterstudent, Goethe-Universität Frankfurt am Main / Hochschule für Bildende Künste–Städelschule; Dorotea Lorenz, Masterstudentin, École du Louvre / Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Claire Müller, Masterstudentin, Goethe-Universität Frankfurt am Main / Hochschule für Bildende Künste–Städelschule; Seda Pesen, Doktorandin, Universität Wien; Sandra Richter, Masterstudentin, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

Nächste Veranstaltung:

07.03.2023
18:00 Uhr
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Raum 242, II. OG und digital

Das Privatmuseum im Fokus 
Rundgespräch mit Matthias Mühling (Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München), Christian Spies (Professor für Kunstgeschichte an der Universität zu Köln), Julia Voss (Kunstkritikerin, Wissenschaftshistorikerin und Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Museum, Berlin) und Susanne Zander (Geschäftsführerin Sammlung Zander und ehemalige Galeristin), moderiert von Stefanie Heraeus
 
Die Institution ‚Museum‘ verkörpert Vorstellungen von Permanenz und Qualität und steht im Fokus vieler Privatsammler/-innen. Gleichzeitig gelingt es den wenigsten, ihre Sammlung in die nächste Generation zu überführen. Während in Frankreich in den letzten Jahren mehrere, zum Teil große Museen von Privatpersonen gegründet worden sind, ist das Verhältnis von Privatsammlung und Museum in Deutschland unübersichtlicher. 
Die Veranstaltung geht diesem Phänomen nach. Was macht das Verhältnis von privaten und öffentlichen Sammlungen aus? Welches Potential und welche Risiken birgt es? Welchen Einfluss haben Privatsammler/-innen auf die Positionierung von Künstler/-innen, auf die Ausstellungs- und Museumspraxis von Kurator/-innen, auf Narrative und Themensetzungen?