OwnReality. Jedem seine Wirklichkeit

OwnReality. Jedem seine Wirklichkeit

Forschungsfrage, -methode und -ergebnisse

Im Kalten Krieg setzten sich die Begriffe »Wirklichkeit« und »Realität« im Kunstdiskurs und in den Künstlerschriften besonders augenscheinlich durch. In ihnen artikulieren sich nicht nur die klassischen Probleme der Repräsentation, sondern auch die Frage der Verbindung zwischen Kunst und Gesellschaft. Die Verwendung dieser Begriffe wird direkt durch den ideologischen Konflikt zwischen der UdSSR und den USA bestimmt. In Europa werden sie östlich und westlich des Eisernen Vorhangs je nach Landessprache und Nationalgeschichte sehr unterschiedlich eingesetzt. Doch gemeinsam ist ihnen, dass sie stets dafür verwendet werden, das zu bezeichnen, was wirklich existiert, was nach Anerkennung verlangt. Die Untersuchung der vielfältigen Bedeutungen dieses Begriffspaars im Kunstdiskurs skizziert somit sowohl den Einflussbereich der Ideologien als auch die Bemühungen der Künstler und Intellektuellen, sich davon zu befreien. Gegen Ende der 1950er Jahre und in den frühen 1960er Jahren erreichten die Entwicklungen, Diskussionen und Divergenzen im künstlerischen Bereich diesbezüglich einen kritischen Wendepunkt. Die sozialistischen Staaten entwickelten eine weniger strikte Auffassung des sozialistischen Realismus als unter der Herrschaft Stalins. Pop, Performance, Happening und Konzeptkunst waren im gesamten europäischen Raum präsent und wurden besprochen – wenn auch je nach Kontext auf sehr unterschiedliche Weise. Die Untersuchung der Kunstwerke und -diskurse in Frankreich, der BRD, der DDR und Polen zeigt, dass sich die Referenzen, Entscheidungen und die tiefsten Motivationen der Künstler nie auf den einfachen Gegensatz Ost-West reduzieren lassen. Durch das Prisma des Realitätsbegriffs kann sich die Kunst dieser Zeit den vorgeformten Kategorien entziehen, was den Weg für neue Interpretationen der Kunstgeschichte ebnet. Unsere Ergebnisse leisten einen Beitrag dazu, diesen Ansätzen anhand von aufbereiteten Quellen (Zusammenfassungen von Presseartikeln und Präsentationen von Kunstzeitschriften), einer Chronologie der Ausstellungen, Interviews mit Zeitzeugen und Fallstudien nachzugehen. Die Leser unserer Veröffentlichungen entdecken dabei unbeachtete Künstler, sehen die bereits bekannten in einem neuen Licht und denken neue Verbindungen an.

Eine ausführliche Präsentation des Projekts bietet die Einleitung zur Online-Publikation des Projekts, herausgegeben von Mathilde Arnoux und Clément Layet.

 

 

Organisation des Projekts

Das Projekt »OwnReality. Jedem seine Wirklichkeit« wurde von 2010 bis 2016 vom ERC mit einem Starting Grant gefördert. In diesem Rahmen wurde untersucht, wie die Begriffe der Wirklichkeit und der Realität im Kunstdiskurs in Frankreich, der BRD, der DDR und Polen in den Jahren 1960 bis 1989 behandelt wurden. Vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris aus leitete Mathilde Arnoux die Forschungsgruppe von Postdoktoranden und Doktoranden der Kunstgeschichte und der Philosophie aus Frankreich, Deutschland und Polen. Die Mitglieder arbeiteten jedoch auch von Berlin, Leipzig und Warschau aus. Die teilnehmenden Forscher trafen sich mehrmals jährlich, um gemeinsam an Lektüre-Workshops, Ausstellungen und Treffen mit Wissenschaftlern und Künstlern teilzunehmen. Im April 2013 fand im Rahmen des Projekts eine dreitägige internationale Tagung im DFK Paris statt. In einem Online-Sammelband werden die besten Beiträge des Kolloquiums, Aufsätze von eingeladenen Autoren sowie die Ergebnisse unserer eigenen Forschungsarbeiten zusammengefasst. In letzteren wurden sowohl Museums- und Archivbestände als auch Ausstellungskataloge, Artikel aus der Kunstpresse oder Äußerungen von Künstlern, Philosophen und Historikern untersucht. Die auf dieser Seite online veröffentlichten Texte und Daten sind das Ergebnis der Arbeit von rund 50 Forschern, Assistenten, Übersetzern, Lektoren, Redakteuren, Grafikern und Informatikingenieuren.

 

 

Förderung

Das Projekt »OwnReality. Jedem seine Wirklichkeit. Der Begriff der Wirklichkeit in der Bildenden Kunst in Frankreich, BRD, DDR und Polen zwischen 1960 und 1989« wurde von 2011 bis 2016 gefördert durch das siebte Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration der Europäischen Gemeinschaft unter der Fördernummer 263560.

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