Editionsprojekt: Journal du comte Harry Kessler (1868–1937)

Editionsprojekt: Journal du comte Harry Kessler (1868–1937)

Harry Graf Kessler (1868–1937) gehört zu den Schlüsselfiguren des kulturellen Lebens in Europa um 1900. Als Sammler, aufmerksamer Beobachter und Teilhaber am literarischen und künstlerischen Geschehen seiner Zeit bewegte er sich beständig zwischen Berlin, Paris, London und Weimar. Er wirkte bei der Zusammenführung der künstlerischen Avantgarden in Deutschland und Frankreich nachhaltig mit und zählte Künstler wie Paul Signac, Auguste Rodin oder Georges Maillol zu seinen Freunden. Als engagierter Befürworter und Mitstreiter der Sezessionsbewegungen trat er für eine Modernisierung des Kunstsystems im wilhelminischen Deutschland ein und leitete zwischen 1903 und 1906 das Großherzogliche Museum in Weimar. Er gehörte mit Max Liebermann, Henry Van de Velde und Lovis Corinth zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes, dessen Vizepräsident er bei seiner konstituierenden Sitzung 1903 wurde. Seine Sammlung deutscher und französischer Kunst zählt zu den bedeutendsten der wilhelminischen Epoche und vereinte u.a. Les Poseuses von Seurat, das Porträt des Dr. Gachet von Van Gogh und die Skulptur Méditerranée von Maillol.

Während des Ersten Weltkriegs versuchte Kessler von der Schweiz aus die deutsche Kultur-Propaganda zu beeinflussen und seine völkerverbindende und friedensstiftende Kunstauffassung auch in Kriegszeiten durchzusetzen. Nach der Ausrufung der Weimarer Republik zählte er schließlich auch zu den ersten Verteidigern von Dada-Berlin gegen das konservative Lager.

Sein Tagebuch, das ihn über Jahrzehnte als ebenso kritischen wie unermüdlichen Kunstvermittler zwischen Frankreich und Deutschland ausweist und eine unverzichtbare Quelle für die europäische Kulturgeschichte um 1900 darstellt, ist vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach in neun Bänden herausgegeben worden.

Auf dieser Grundlage haben sich das Deutsche Forum für Kunstgeschichte und das Institut national d’histoire de l’art in Paris zum Ziel gesetzt, dieses Standardwerk in Auswahl auch dem französischen Publikum zugänglich zu machen. In ausführlichen Passagen werden Kesslers Besuche in Künstlerateliers, Diskussionen mit zeitgenössischen Künstlern, Museumspersönlichkeiten und anderen Kulturakteuren dokumentiert und geben so Einblick in die kultur- und kunstpolitischen Zusammenhänge von der wilhelminischen Ära bis 1937. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den explizit auf das französische Kunstleben sich beziehenden Einträgen, die sämtlich kommentiert werden.

Herausgeberkomitee:

  • Ursel Berger (Georg Kolbe Museum Berlin)
  • Julia Drost (Centre allemand d’histoire de l’art)
  • Alexandre Kostka (Université de Strasbourg)
  • Antoinette Le Normand-Romain (INHA, Paris)
  • Dominique Lobstein (Courbevoie)
  • Philippe Thiébaut (INHA, Paris)

Textauswahl: Ursel Berger und Alexandre Kostka

Übersetzung:

  • Jean Torrent

 

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Dr. Julia Drost

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