Sara Martinetti

Dr. Sara Martinetti

Stipendiatin

Vita

Sara Martinetti ist Forscherin in den Bereichen Kunstgeschichte, -anthropologie und -theorie. 2020 reichte sie unter der Leitung von Béatrice Fraenkel an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) ihre Dissertation mit dem Titel „,I never write, I just do. Schreibpraktiken und theoretische Fragestellungen in der Arbeit von Seth Siegelaub in den Bereichen Konzeptkunst, Aktivismus und Erudition“ ein. Zudem hat sie mehrere themenverwandte Ausstellungen, Kataloge und Anthologien kuratiert, darunter The Stuff That Matters: Textiles Collected by Seth Siegelaub for the CSROT (Raven Row, London, 2012), Seth Siegelaub: Beyond Conceptual Art (Stedelijk Museum Amsterdam, 2015–16; Kat. Walther König, 2015) und Seth Siegelaub: „Better Read Than Dead“; Writings and Interviews, 1964–2013 (Kat. Walther König, 2020). Dem gleichen methodologischen Ansatz folgend, arbeitet sie seit 2014 mit Michel Claura zusammen, einem Juristen, der zwischen 1967 und 1982 als Kunstkritiker und Ausstellungsmacher tätig war. Ihre Kollaboration führte zur Veröffentlichung zweier Forschungsberichte in gedruckter und digitaler Form, Michel Claura: Code vestimentaire. Les fruits déguisés ne seront pas acceptés. De quelques inserts dans un moment de lart peu vêtu und Drei Schreibakte von Michel Claura zwischen 1973 und 1982, die durch Stipendien des Centre national des arts plastiques (Cnap) im Jahr 2017 und der Freunde des Centre Pompidou im Rahmen des Programms Mission Recherche im Jahr 2020 ermöglicht wurden. Neben ihrer Forschungstätigkeit zu den Schreibpraktiken von Kunstvermittlern in den 1960er-Jahren arbeitet sie beständig an der Erweiterung ihrer theoretischen und praktischen Kompetenzen im Bereich Textilien.

 

2021-2022 ist sie Stipendiatin am DFK Paris im Rahmen des Jahresthemas STREET ART.

 

Forschungsschwerpunkt

Die Schreibpraktiken von Daniel Buren, Michel Claura und anderen in der Pariser Kunstszene der 1970er Jahre

 

 

1968 begann Daniel Buren seine Serie der Affichages sauvages (Wilde Plakataktionen), über die Michel Claura in einem 1970 in Studio International publizierten Artikel schrieb: „Es gab also sowohl eine spezifische Sichtbarkeit, von der jeder Vorbeigehende Zeuge wurde, als auch eine spezifische Sichtbarkeit, deren Zuschauer all diejenigen waren, die sich spezifisch als Folge der Ankündigung der Aktion eingefunden hatten.“ In den 1970er Jahren spielten sowohl Buren als auch Claura eine aktive Rolle in einem informellen Netzwerk, das sich in alternativen Pariser Kunsträumen wie der Galerie 1-36 oder Vitrine pour lart contemporain zusammenfand, in denen Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Milieus verkehrten, deren Wirken und Einfluss von der Geschichtsschreibung erst ansatzweise erkundet worden sind. Der polnische Fotograf Eustache Kossakowski (1925-2001), der dieses Milieu in einer außergewöhnlich reichen Dokumentation festgehalten hat, ist auch Autor mehrerer Fotoserien wie Six mètres avant Paris (Sechs Meter vor Paris) und Les Palissades, die den heutigen Betrachter unmittelbar in das Straßengeschehen der französischen Hauptstadt in jenen Jahren versetzen.

Ausgehend von dieser Ansammlung von Werken, Schriften, Ideen, Orten, Situationen und Personen möchte ich die Beziehungen zwischen der sogenannten Konzeptkunst und der Straßenkunst unter einem anthropologischen Blickpunkt erforschen. Beide gemeinsam war ein ausgeprägtes Interesse für das urbane Terrain als Ort der Kunstproduktion außerhalb der traditionellen Ausstellungsräume, eine Vorliebe für ortsspezifische Interventionen und eine politische Grundhaltung, die ihre Kritik an Institutionen und Schreibpraktiken entscheidend mitprägte. Ferner möchte ich einen Forschungsansatz für Clauras Schriften entwickeln, der es erlauben soll, die theoretischen Fragestellungen herauszuarbeiten, die er mit seinen damaligen Weggefährten teilte.

Kontakt

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Dr. Sara Martinetti