Passagen Band 24

Correspondance entre Henri Fantin-Latour et Otto Scholderer

1858–1902

Mathilde Arnoux, Thomas W. Gaehtgens und Anne Tempelaere-Panzani (Hg.)

Sprache der Publikation: Französisch

Im Jahr 1858 kreuzen sich die Wege des Frankfurter Malers Otto Scholderer (1834–1902) und des französischen Malers Henri Fantin-Latour (1836–1904) in Paris. Die jungen Künstler freundeten sich an und unterhielten bis an ihr Lebensende einen intensiven Briefwechsel. Die Briefe, die von den Erben von Henri Fantin-Latour und in der Bibliothek Frankfurt aufbewahrt wurden, zeugen von einer seltenen deutsch-französischen Freundschaft in einer von Konflikten zwischen den beiden Nationen geprägten Zeit. Die außergewöhnliche Bedeutung dieser Dokumente führte das Deutsche Forum für Kunstgeschichte dazu, sie zusammenzutragen und in einer kritischen Ausgabe zu veröffentlichen. Zunächst wird eine erste Auswahl der Schreiben präsentiert, doch in Kürze wird die vollständige Ausgabe online zugängig sein. Durch den Briefwechsel kann der Leser nachvollziehen, wie beide Künstler in ihrem Umgang mit den Kunstströmungen ihrer Zeit von der Sichtweise und Kultur des anderen profitieren konnten. Weit ab vom Mythos der Boheme und der kreativen Inspiration  bringt dieser Austausch auch die Schwierigkeiten im Alltag der Künstler zu Tage. Fantin-Latour und Scholderer unterhalten sich weiter über befreundete Künstler wie Whistler, Legros und Cazin, sowie über Bekannte, Auftraggeber und Kunsthändler. Dadurch kann aus diesen Briefen ein gesamtes künstlerisches und kulturelles Netzwerk rekonstruiert werden, das sich über die Grenzen Frankreichs, Deutschlands und Englands ausdehnte und über das nur wenig bekannt war. 1871, zu einem historischen Wendepunkt in den deutsch-französischen Beziehungen, ließ sich Scholderer in England nieder. Die Freundschaft zwischen den zwei Männern blieb jedoch bestehen, Fantin-Latour bewunderte weiterhin Wagner und Scholderer bekundete unablässig seine Verbundenheit mit Frankreich. Der Briefwechsel ist ein wertvolles Zeugnis der Geschmäcker, Kritiken und der visuellen Kultur der beiden Künstler des 19. Jh. Er bietet eine beträchtliche Bereicherung mit Blick auf das Realismus-Konzept zu jener Zeit. Allgemeiner gesehen trägt er zum besseren Verständnis dazu bei, wie im Europa des 19. Jh. Ideen ausgetauscht und Geschmäcker übermittelt wurden.

 

Berichte:

Paris
2011
ISBN 978-2-7351-1166-4
48,00 €