Jahresthema 21/22 - Call for Paper

Jahresthema 2021/22 - Call for Papers

Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris schreibt im Rahmen seines Jahresthemas 2021/22 mehrere Forschungsstipendien zum Thema Street Art aus. Street Art oder Urban Art beschreibt verschiedene Formen, mit denen Künstler seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts in die künstlerische Gestaltung des öffentlichen urbanen Raumes eingreifen und damit einer immer wieder beklagten Monotonie und Unwirtlichkeit der Städte und deren Kommerzialisierung entgegenzuwirken versuchen. Street Art verbindet sich mit die Frage, wem der öffentliche urbane Raum gehört, eine Frage, die politisch durch die Kämpfe um eine Demokratisierung der westlichen Gesellschaft seit den sechziger Jahren und wissenschaftlich durch die nicht weniger politische Diskussion um die Öffentlichkeit befördert wurde. Autorisierten Formen, mit denen ein urbaner Raum gestaltet wird, stehen nicht autorisierte Formen meist in Form von Graffitis gegenüber, die sich in einer subversiven, auch ironischen Weise des urbanen Raumes zu bemächtigen versuchen. Eine Sonderform schaffen aus der Jugendkultur entwachsene Sprayer, die insbesondere bewegliche Mittel des öffentlichen Transports – Züge, U-und Straßenbahnen, Busse – mit ihren ornamentalen Formen und Schriftzeichen versehen und dabei nicht selten eine eigene, nur Insidern verständliche Sprache entwickeln.

Mit den nicht autorisierten Formen ging eine radikale Infragestellung des Kunstbetriebes einher. Die Werke sind nicht auf eine lange Lebensdauer angelegt und untergraben die Mechanismen des Kunstmarktes. Die Anonymität des Künstlers oder der Künstlergemeinschaften, die Arbeit unter Decknamen hinterfragen zudem das Prinzip der Autorschaft. Damit brachte sich die Street Art in zentrale Diskussionen um die Kunst und ihre gesellschaftliche Bedeutung ein und beeinflusste auch mit den von ihr entworfenen Formen die weitere Kunstentwicklung nachhaltig.

Paris ist eins der wichtigsten europäischen Zentren der Street Art. Gerade bei den nicht autorisierten Werken finden sich hier immer neue Formen: von Mosaiken über gesprayte Schablonenwerke bis hin zu auf Papier vorbereitete und dann auch Wände aufgetragene Werke, die immer auch der Notwendigkeit einer schnellen Herstellung Rechnung tragen, ist die Anbringung dieser Werke doch meist nicht legal und geschieht infolgedessen in großer Eile. In Paris lässt sich auch beobachten, wie die nicht autorisierten Formen, hierin vielleicht am ehesten vergleichbar mit New York, in den Kunstbetrieb aufgenommen werden. Ein Vergleich zwischen Paris und Berlin ermöglicht es zudem, Spezifika der jeweiligen Szene herauszuarbeiten. Auch bietet es sich an, aktuelle Tendenzen in einzelnen Städten, etwa São Paulo, Mexico City oder Montreal, miteinzubeziehen.

Ausgehend von der Situation in Paris soll eine Forschergruppe am DFK Paris die unterschiedlichen Formen der Street Art betrachten, ihre zwischen Ablehnung und Affirmation changierende Beziehung mit dem klassischen Kunstbetrieb, ihre internationale Vernetzung und die Impulse, die sie erfahren hat wie auch die Impulse, die von ihr auf die weitere Kunstentwicklung ausgingen.

Dazu vergibt das DFK Paris zum 1. September 2021 mehrere Forschungsstipendien (Dauer: 12 Monate). Interessenten mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Kunstgeschichte oder anderer fachnaher Disziplinen (Doktoranden und Postdocs), die zum ausgeschriebenen Thema forschen, sind eingeladen, sich mit den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, ggf. Publikationsliste, Angabe der Sprachkenntnisse, Empfehlungsschreiben der betreuenden Dozenten) sowie einer Projektskizze (max. 3 Seiten, dazu Zeitplan und Literaturverzeichnis) bis zum 15. April 2021 zu bewerben (die Zu- und Absagen werden im Mai 2021 versandt). Das Jahresthema wurde bereits für das Jahr 2020/21 ausgeschrieben, seine Realisierung wurde indes durch die Covid-Pandemie verhindert. Bewerber, die sich bereits 2020 für das Jahresthema beworben haben, sind aufgefordert, Ihre aktualisierte Bewerbung erneut einzureichen.

Das DFK Paris nimmt überdies gern auch Bewerbungen entgegen, die außerhalb des Jahresthemas liegen und mit den weiteren Forschungsschwerpunkten des Instituts korrespondieren. Konferenzsprachen sind deutsch, französisch und englisch. Kenntnisse der deutschen und französischen Sprache werden erwartet.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in elektronischer Form in einem Dokument (nicht größer als 10 MB) an: stipendien@dfk-paris.org. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dfk-paris.org

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Kirchner

Prof. Dr. Thomas Kirchner

Direktor
Telefon +33 (0)1 42 60 67 82
Kontakt
Élodie

Dr. Élodie Vaudry

Wissenschaftliche Assistentin

Das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (kurz: Mucem), freut sich, mit dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris anlässlich seines Jahresthemas 2021/2022 "Street Art" zusammenzuarbeiten. Das Erforschen und die Förderung der urbanen Kunst ist ein wichtiges Anliegen des Musée National in Marseille, das als eines der frühesten Museen eine Sammlung von Graffiti- und Hip-Hop-Kunst in Europa angelegt hat.

Gegründet Ende der 1990er Jahre nach dem Prinzip der ethnographischen Überblickssammlung, die die Feldforschung und das Sammeln von Objekten und Zeugnissen miteinander verbindet, umfasst die Sammlung fast 2000 Objekte. Seit 2016 wurde sie auf den Mittelmeerraum ausgeweitet. Die Originalität einiger Stücke und die großen Archiv- und Dokumentationsbestände, die die Sammlung ergänzen, machen sie zu einem anregenden Studienobjekt, das aus verschiedenen disziplinären Blickwinkeln und kontextuellen Ansätzen betrachtet werden kann. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website: Tag et graff, un «art illégal» au musée—Mucem