Passagen Band 27

La peinture française en Allemagne

1815-1870

France Nerlich

Sprache der Publikation: Französisch

Wie wahrnehmbar war die französische Kunst im Deutschland des 19. Jh? Die Kunsthistoriker konzentrierten sich lange auf die Tatsache, dass »die Deutschen« zu den ersten zählten, die impressionistische Gemälde französischer Maler für ihre Museen sammelten und kauften. Doch sie versäumten es, sich genauer für die erste Hälfte des Jahrhunderts zu interessieren. Zu Unrecht. Denn die zeitgenössische französische Malerei war in Deutschland zu jener Zeit nicht nur sichtbar, sondern vor dem Hintergrund des Aufstiegs der Kunstgeschichte zur wissenschaftlichen Disziplin Gegenstand einer leidenschaftlichen Aufmerksamkeit.

Mit diesem Thema betritt France Nerlich in ihrem Werk Neuland. Aus deutschen und französischen Archivquellen erschließt sie, unter welchen Umständen und in welchem Umfang die französischen Werke in Deutschland und insbesondere in Berlin, München und Leipzig in Umlauf kamen und sichtbar waren. Ziel ist es, die Rolle zu erforschen, die ihnen in der Geschichte der Sammlungen, der Museen, des Kunstmarkts, der Kunstkritik sowie der Kunstgeschichte zukam. Weit ab von einer triumphierenden Zelebration der französischen Malerei in Frankreich analysiert die Autorin den tatsächlichen Einfluss der Werke und zeichnet die Intensität des intellektuellen und künstlerischen Austauschs zwischen Deutschland und Frankreich im 19. Jh. nach. Sie geht den ideologischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Implikationen dieser grenzüberschreitenden Mobilität sowie den dabei auftretenden Widerständen nach und zeigt den Ursprung der Phantasmen auf, die die französische Kunst als Grund zum Ansporn und zur Angst, zur Begeisterung und Ablehnung, als Waffe gegen das Establishment oder als Bedrohung der künstlerischen Identität Deutschlands verwandeln. Durch die Darlegung der Bedeutung von Künstlern wie Paul Delaroche, Horace Vernet, Ary Scheffer und François Auguste Biard präsentiert die Autorin ein »anderes 19. Jh.«, das nicht in den Geschichtsbüchern steht. France Nerlich befasst sich eingehend mit dem Interesse, das Autoren wie Heinrich Heine, Athanasius Raczynski und Anton Springer für die französische Kunst bekunden und betont auch die Rolle der Kunsthändler in ihrer Verbreitung sowie die von den Künstlern angewendeten Strategien. Dadurch zeigt sie uns, dass diese vergessene Seite der Geschichte auch zur Geburt der Moderne beigetragen hat.

 

Berichte:

Paris
2010
ISBN 978-2-7351-1252-4
48,00 €
Couverture "La Peinture française en Allemagne"

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