Jahresthema 14/15 - Das befreite Paris und die Künste

Das befreite Paris und die Künste

Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte widmet sein Jahresthema 2014/15 den Künsten in Paris nach der Befreiung von der deutschen Besatzung im August 1944. Bei aller Kontinuität künstlerischer Entwicklungen bedeutete das Ende der Besatzung und des Vichy-Regimes einen Moment des Aufbruchs. Die Stadt erblühte zu neuem kulturellem Leben. Die Künste, denen eine zentrale Rolle im Selbstverständnis des nun freien Paris zufiel, waren in einem hohen Maße in die intellektuellen und politischen Diskussionen der Zeit eingebunden.

Die Pariser Kunst, Malerei, Bildhauerei, Photographie, aber auch Film, Mode, Design, entwickelte nach 1944 neue Formen. War die Stadt bereits seit langem die bedeutendste Kulturmetropole Europas und Anziehungspunkt für Künstler unterschiedlichster Länder gewesen, so wurde es nun Zentrum eines Netzes, das über die Grenzen Europas und des westlichen Kulturkreises hinausging. Das künstlerische Leben der französischen Hauptstadt besaß eine große Ausstrahlungskraft, erfuhr aber auch wichtige Impulse von außerhalb.

Nachdem die Kunstgeschichte über längere Zeit kein ausgeprägtes Interesse an der Epoche gezeigt hatte, richtet sich ihre Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf das Kunstschaffen der Jahre nach 1944, nun aber unter einer veränderten Perspektive. Nicht so sehr das Ende der École de Paris und der Moderne wird beschrieben oder die Verdrängung von Paris durch New York als Kulturhauptstadt der westlichen Welt, vielmehr geraten die Kontinuitäten zu den in der Nachmoderne entwickelten neuen Kunstformen in den Blick. Auch werden in einem stärkeren Maße die Beziehungen von Paris mit anderen Kunstlandschaften herausgearbeitet. Zudem hat sich das Blickfeld erweitert, wenn neben den Künsten und deren Vernetzung untereinander Institutionen wie Museen und Ausstellungshäuser, der Kunsthandel, die Künstlerausbildung und besonders die Rolle der verschiedenen künstlerischen wie populären Medien in die Betrachtung einbezogen werden. Und schließlich führen ethnologische und anthropologische  Fragestellungen ebenso wie Genderaspekte und eine globale und postkoloniale Perspektive zu einer Neuorientierung der Forschung.


Das Jahresthema wird geleitet von Thomas Kirchner (Deutsches Forum für Kunstgeschichte) und Laurence Bertrand Dorléac (Sciences Po).

Die Stipendiatinnen und ihre Forschungsthemen

  • Ulrike Blumenthal, Promotionsstipendiatin, Universität Leipzig: Atelier/Fotografie. Die École de Paris in der Fotografie
  • Baptiste Brun, Post-doc: « 40.000 ans d’art moderne » : le monde de l’art contemporain parisien face à la Préhistoire (1944–1955)
  • Déborah Laks, Post-doc: La mémoire des ruines : ténuité, matière et traces dans l'art parisien de l'après-guerre
  • Adriana Pena Mejia, Promotionsstipendiatin, Université Paris-Sorbonne: Les échanges latino-américains-français à Paris après 1945
  • Lucia Piccioni, Promotionsstipendiatin, EHESS: La revue « Le musée vivant » (1945–1969) : laboratoire d’une histoire postcoloniale de l’art
  • Cécile Pichon-Bonin, Post-doc: Paris, scène du réalisme socialiste pendant la Guerre froide ?
  • Marin Sarvé-Tarr, Promotionsstipendiatin, University of Chicago: Seizing the Everyday: Lettrist Film and the French Postwar Avant-Garde, 1946–1954
  •  Katrin Thomschke, Promotionsstipendiatin, Goethe-Uninversität, Frankfurt am Main: Performanz und Raum. Zur Genealogie ästhetischer Konzeptionen informeller und postinformeller Positionen
  • Rosali Wiesheu, Promotionsstipendiatin, Zusammenschluss der Bayerischen Universitäten: Studien zur literarischen und philosophischen Rezeption des Oeuvres Alberto Giacomettis

 

Gastwissenschaftler

  • Florian Dölle, Promotionsstipendiat, Université de Reims Champagne-Ardenne und Technische Universität Berlin: Paris und Versailles in Skizzenbüchern reisender Architekten um 1700
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