Das Geschäft mit dem Wunderbaren

Das Geschäft mit dem Wunderbaren

Das Geschäft mit dem Wunderbaren – Galerien, Sammler und Händler des Surrealismus, 1945–1969 

28.–29. September 2017 am Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Paris
 

Die Ausstellung E.R.O.S. (Exposition inteRnatiOnale du Surréalisme) in der Galerie Cordier im Jahre 1959/60 ist ein Zeugnis dafür, wie sich die surrealistische Bewegung seit dem Ende des Krieges entwickelte und mit welchen neuen Akteuren sie an ihrem internationalen Anspruch festhielt: Vor allem in Paris, aber auch in Bukarest, London und Brüssel, um dann in die Tschechoslowakei, nach Brasilien und in die Vereinigten Staaten auszuschwärmen, bis sich die Gruppe schließlich im Jahr 1969 offiziell auflöste. Gleichwohl ist diese Periode des Surrealismus bisher kaum untersucht, ja häufig geringgeschätzt worden als ein Surrealismus, der sich selbst überlebt und vor allem darum bemüht hat, seine künstlerische Produktion zu erneuern und sich in die aktuellen künstlerischen Debatten einzuschreiben.

Der Workshop Das Geschäft mit dem Surrealismus. Galerien, Sammler und Händler, 1947–1969 setzt sich zum Ziel, die Funktionsweisen der wirtschaftlichen Netzwerke zu analysieren, die der Gruppe ermöglichten, nach dem Zweiten Weltkrieg noch zwanzig weitere Jahre zu bestehen und sich international zu verbreiten. Galeristen, Händler und Sammler paßten sicherlich nicht mehr in das Schema der Zwischenkriegszeit und es betraten neue Akteure die Bühne. Verschob sich damit das Sammeln surrealistischer Kunst aus einer idealistischen Überzeugung hin zu einem Sammeln als Investition? Und auf welche Weise haben die Surrealisten selbst ihre Strategien geändert, ihre Werke auszustellen und zu verkaufen? Ebenso sollen die Folgen der allmählichen Institutionalisierung des Surrealismus betrachtet werden, die sich in den Museen, Galerien und großen Kunstevents vollzog; so stellt 1954 die Teilnahme an der Biennale in Venedig eine wichtige Etappe für den kommerziellen Erfolg der Protagonisten des Surrealismus, weniger für das Kollektiv als für die individuellen Künstler, dar.

Acht Jahre später ist in der Pariser Galerie Charpentier die von Patrick Waldberg kuratierte Ausstellung Surréalisme. Sources, Histoire, Affinités eines von vielen Beispielen, die den Surrealismus in ein eindeutig merkantiles System zum Nachteil seiner politischen Bedeutung kippen läßt. Welche Sichtbarkeit verleihen Händler und Galerie noch dem Surrealismus? So treten, neben den etablierten surrealistischen Galerien wie La Dragonne und L’étoile scellée sowie Gruppenausstellungen in der Galleria Schwarz in Mailand und der Galerie Daniel Cordier, Galerien und Händler auf den Plan, die nur einzelne surrealistische Künstler unterstützen (Alexander Iolas Galerie in Paris, Genf und New York). Die Frage nach der öffentlichen Präsentation und kommerziellen Vermarktung des Surrealismus ist mit der nach der Zirkulation surrealistischer Kunstwerke von der Nachkriegszeit bis in die späten 1960er Jahren verbunden. Welche surrealistischen Werke wurden in Auktionshäusern zur Versteigerung angeboten? Sind sie repräsentativ für die aktuellen Aktivitäten und Strömungen der surrealistischen Gruppe? Läßt sich das Entstehungsdatum eines Kunstwerks in Verbindung setzen mit dem Profil einer Sammlung, einer Galerie oder eines Händlers? Andersrum gefragt: Was sammeln die Surrealisten jetzt selbst, und warum?

Der Workshop findet unter der wissenschaftlichen Leitung von Julia Drost, Fabrice Flahutez, Anne Foucault und Martin Schieder im Deutschen Forum für Kunstgeschichte am 28. und 29. September 2017 in Paris statt. Er schreibt sich in das Forschungsprogramm des Deutschen Forums für Kunstgeschichte sowie des LABEX H2H Le surréalisme au regard des galeries, des collectionneurs et des médiateurs ein, die bereits mehrere Tagungen zu diesen Themen organisiert haben: Le monde au temps des surréalistes (7. und 8. November 2014), Le Surréalisme dans l’Europe de l’entre-deux-guerres (11. und 12. März 2016) sowie Surréalisme et arts premiers (10. und 11. Oktober 2016); siehe mehr unter URL: https://dfk-paris.org/de/research-project/der-surrealismus-und-das-geld-händler-sammler-und-vermittler-971.html sowie http://www.labex-arts-h2h.fr/surrealisme-et-arts-premiers.html?lang=fr.

 

Bitte senden Sie uns Ihr Exposé mit max. 300 Wörtern auf Englisch, Französisch oder Deutsch sowie Ihren Lebenslauf bis zum 30. Juni 2017 an:

Julia Drost (jdrost@dfk-paris.org)

Fabrice Flahutez (flahutez@gmail.com)

Anne Foucault (a.foucault84@gmail.com)

und Martin Schieder (schieder@uni-leipzig.de)

 

Mit der Unterstützung von TIAMSA, The International Art Market Studies Association – artmarketstudies.org

 

Grid imageExposition internationale du surréalisme, Eros, Galerie Cordier, 1959, Foto : William Klein