Deplatzierte Bilder. Moderne Schauplätze der Kunst

Deplatzierte Bilder. Moderne Schauplätze der Kunst

Dass Bilder ihren Ort wechseln, dass sie von einem Ort zu einem anderen transportiert werden, ist im Zusammenhang ritueller, religiöser Prozessionen Gang und Gäbe. Werden sie gewaltsam und/oder gegen den Willen ihrer Besitzer ihrem ursprünglichen oder aktuellen Ort enthoben, ist von Kunstraub die Rede. Bei aller Verschiedenheit zeichnet beide Bereiche eines aus: Sie stehen innerhalb der (westlichen) Moderne für punktuelle, kontextuell gebundene Momente, die keinen Normalfall zeitgenössischer Kunsterfahrung darzustellen scheinen. Hier dominiert vielmehr der Topos vom fest an der Wand hängenden Bild. Die allgemeine Stimmungslage gerät bei genauerem Hinsehen schnell ins Wanken: Anders als einflussreiche Theoreme und Theorien es suggerieren (mögen), sind insbesondere die scheinbar immobilen Bilder der Moderne, die sogenannten »klassischen« Tafelbilder, sowohl Gegenstand als auch Initiator erstaunlich dynamischer Konstellationen. Ihre Mobilität scheint indes gegenüber den noch immer so genannten »neuen Medien« und ihren »bewegten Bildern« in den Hintergrund gedrängt. Die blinden Flecken offenbaren bedenkenswerte Narrationsmuster einflussreicher modernistischer Erzählungen. Die Stillstellung ist forciert und hat weitreichende Implikationen für unser Denken über Bilder und die Verortung der ästhetischen Erfahrung. Die Schauplätze der Kunst sind weder starr noch neu: Ihren Ort wechselnde Bilder durchziehen das 20. Jahrhundert und erlauben einen anderen Blick auf die Kunst der Moderne. Als »deplatzierte Bilder« sind sie zugleich ein aufschlussreiches Symptom der Gegenwart. 

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Dr. Lena Bader

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