Das Sichtbare und das Sagbare

Das Sichtbare und das Sagbare. Die Sprachen der Kunstgeschichte

Im Zentrum kunsthistorischer Forschung stehen die Werke – Bilder, Skulpturen, Architektur, Kunsthandwerk. Die Werke müssen aber auch zur Sprache kommen: „Wir sehen Bilder nie für sich allein, unser Sehen ist nie reines Sehen. Wir hören von den Bildern, wir lesen Kunstkritiken, unser Blick ist umgeben und vorbereitet von einem ganzen Hof von Kommentaren“ (Michel Butor). Obwohl die Sprache also fester Bestandteil kunsthistorischer Praxis ist, wird vergleichsweise wenig über ihren Einfluss und ihre Bedeutung nachgedacht. Das Jahresthema 2022/23 lenkt daher die Aufmerksamkeit auf die besonderen Funktionen der Sprache für die Darstellung, Vermittlung und Erschließung der ästhetischen und historischen Qualitäten bildender Kunst. Dabei soll kein neuer paragone betrieben werden – Bild und Text, Betrachtung und Beschreibung sollen vielmehr in ihrem Zusammenspiel, ihren wechselseitigen Bezügen und Abhängigkeiten in den Blick genommen werden. Neben der (kunst-)wissenschaftlichen Sprache ist dabei auch die Sprache der Kunstkritik einzubeziehen, ebenso wie die Tradition literarischer Kunstbetrachtung. Die Ausschreibung ist historisch bewusst offen gehalten, willkommen sind Beiträge vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Methodisch und inhaltlich sollten sich die Projektskizzen an einem der folgenden Themenfelder orientieren: Geschichte und Theorie der Ekphrasis, Bild-Text-Ensembles im Museum, Grenzen der Beschreibung und Formen der Unübersetzbarkeit, Wissenschaftssprache und Jargon, Rhetorik und Performanz des kunsthistorischen Vortrags, Funktion und Bedeutung von Programmiersprachen im Feld der digitalen Kunstgeschichte, alte und neue Formen des Publizierens.
Zum genannten Thema vergibt das DFK Paris zum 01.10.2022 mehrere Forschungsstipendien (Dauer: 12 Monate). Interessierte mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Kunstgeschichte oder anderer fachnaher Disziplinen (Doktorand/-innen und Postdocs), die zum ausgeschriebenen Thema forschen, sind eingeladen, sich mit den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, ggf. Publikationsliste, Angabe der Sprachkenntnisse, Empfehlungsschreiben der betreuenden Dozent/-innen) sowie einer Projektskizze (max. 3 Seiten, dazu Zeitplan und Literaturverzeichnis) zu bewerben. Die Bewerbungsunterlagen sind in einem einzelnen PDF-Dokument an stipendien@dfk-paris.org bis zum 31.03.2022 (die Zu- und Absagen werden im Mai 2022 versandt) zu richten.

Leitung: Peter Geimer, Georges Didi-Huberman
Koordination: Marie-Madeleine Ozdoba
  
 

Kontakt
Dr. Marie-Madeleine Ozdoba

Dr. Marie-Madeleine Ozdoba

Wissenschaftliche Assistentin
Telefon +33 (0)1 42 60 40 34